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Kultur und Bildung

21.12.2018 - Artikel

Stand: Oktober 2018

Nach dem sog. Index für menschliche Entwicklung (Human Development Index) des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) weist Tschad 2017 im Bildungs- und Erziehungswesen überwiegend ungünstige Faktoren auf.
Mit anderen Worten: Die Verbesserung des Bildungssektors stellt eine der größten Herausforderungen für das Land dar und übertrifft darin sogar noch das Gesundheitswesen.
Angesichts des Bevölkerungswachstums von 3 Prozent (Schätzung Weltbank 2017) pro Jahr ist diese Herausforderung nur mit großen Anstrengungen zu bewältigen.

Unter der Bevölkerung über 15 Jahre sind nur 22,3 Prozent zumindest rudimentär des Schreibens und Lesens kundig; die durchschnittliche Schulverweildauer beträgt nur 1,2 Jahre bei Mädchen und 3,4 Jahre bei Jungen.
Allerdings ist über die vergangenen zwei Jahrzehnte eine Aufwärtsentwicklung zu verzeichnen: Während 1995 nur 9 Prozent der Frauen und 26 Prozent der Männer in der Altersgruppe zwischen 15 und 24 Jahren Alphabeten waren, lag ihr Anteil 2017 bei 22,4 bzw. 40,7 Prozent.
Die Einschulungsquote stieg im selben Zeitraum von 38 auf 88 Prozent.
Allerdings ist der Geschlechterunterschied weiterhin ausgeprägt; Mädchen gehen seltener zur Schule oder verlassen diese deutlich früher als gleichaltrige Jungen. Im Sekundarbereich sinkt der Anteil der Schülerinnen und Schüler auf 23 Prozent eines Jahrgangs (Durchschnitt Subsahara-Afrika: 46 Prozent).
Nach Angaben von UNDP wurden 2017 2,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für den Bildungssektor verwendet, deutlich unter dem Durchschnitt von Subsahara-Afrika (4,9 %).

Das Schulsystem basiert auf öffentlichen und privaten Schulen; beide Schultypen sind kostenpflichtig. In ländlichen Gebieten werden Schulen oft von „Elternkomitees“ gegründet und finanziert, um ein Minimum an Bildung zu gewährleisten.
Wenige Schulen in N'Djamena bieten sprachenorientierten Unterricht an (besonders Arabisch, Chinesisch, Englisch, Türkisch). Für die Bildungselite wichtig sind konfessionell geprägte (katholische) Schulen und das von Frankreich geförderte Lycée Montaigne in N'Djamena.
Neben dem formellen Schulsektor existieren zahlreiche informelle „Koranschulen“ (Madrassen).

Auch im Hochschulsektor gibt es weiteren Entwicklungsbedarf, aber auch greifbare Entwicklungsanstrengungen.
Neben der 1971 gegründeten Universität von N'Djamena, der größten Universität des Landes mit sieben Fakultäten, existieren heute fünf weitere Universitäten (Abéché, Ati, Doba, Moundou, Sarh) mit eingeschränktem Lehrangebot.
Nach dem französischen System führen diese bis zur „licence“ (vergleichbar dem Bachelor) bzw. in einigen Fällen bis zur „maîtrise“; ein Doktorat ist außer an der medizinischen Fakultät nicht möglich.
Tschadische Post-Graduierte setzen ihre Studien deshalb gerne im afrikanischen Ausland oder in Übersee fort (Frankreich, Kanada, China, zunehmend auch arabische Staaten). Die Zahl der Studentinnen und Studenten bzw. Postgraduierten in Deutschland ist dagegen gering.
Probleme im Hochschulsektor sind u.a. ein Mangel an Lehrkräften, unzureichende materielle Ausstattung und die Abwanderung qualifizierter Absolventen ins Ausland.

Berufliche Bildung, etwa im Sinne des deutschen dualen Systems, existiert in Tschad nicht. Die Aus- und Fortbildung qualifizierter technischer Fachkräfte bleibt deshalb eine Herausforderung.

Seit Ende der Sommerferien 2016 leidet der Bildungssektor unter Streiks des Lehrpersonals wegen ausbleibender Gehaltszahlungen. Studierende protestieren gegen die Streichung von Stipendien, mit denen sie ihr Studium finanzieren.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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